Was meint der Arzt damit? Wichtige Fachbegriffe bei Gelenkschmerzen

Wer an Gelenkbeschwerden leidet, braucht ein offenes Ohr. Doch die Diagnosen von Ärzten sind oft nicht leicht zu verstehen. Hier können Sie die Bedeutung wichtiger Fachbegriffe oder Therapiemethoden nachlesen.

Anlaufschmerz
Unter Anlaufschmerz versteht man Schmerzen, die erst beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen entstehen, während in Ruhe keine Missempfindungen oder Schmerzen vorhanden sind. Er gilt als typisches Symptom einer Arthrose.
Arthralgie
Der Begriff „Arthralgie” kommt aus dem Altgriechischen und leitet sich von den beiden Wörtern „árthron” (Gelenk) und „algos” (Schmerz) ab. Er bezeichnet ganz allgemein Gelenkschmerzen unterschiedlicher Ursache.
Arthrose, Aktivierte Arthrose, Arthritis und Rheuma - Abgrenzung und Unterschiede

Arthrose: Die Arthrose ist eine degenerative Gelenkerkrankung, die am häufigsten durch Überbelastung der Gelenke entsteht und erst als Folge der knorpelschädigenden Prozesse im Gelenk zu Entzündungen führen kann. Wichtigste Symptome einer Arthrose sind Anlauf- und Belastungsschmerzen. Als aktivierte Arthrose bezeichnet man ein fortgeschrittenes Stadium der Arthrose, in dem bereits Entzündungen am Gelenk auftreten. Es kommt dann auch zu Ruheschmerz.

Arthritis: In Abgrenzung dazu ist die Arthritis eine entzündliche Gelenkerkrankung, die durch Schwellung, Rötung, Schmerzen, Funktionseinschränkung und Erwärmung des Gelenks charakterisiert ist.

Der Begriff Rheuma ist etwas veraltet und umfasst umgangssprachlich mehrere Krankheitsbilder, die mit Schmerzen und Funktionseinschränkungen im Bereich des Bewegungsapparates verbunden sind.

Meist ist die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) gemeint, wenn von Rheuma gesprochen wird. Es handelt sich dabei um eine chronisch entzündliche Krankheit der Innenhaut der Gelenke. Eine Autoimmunerkrankung, bei der Knorpelgewebe durch eine fehlgeleitete Abwehrreaktion zerstört wird.

Arthrose, primäre und sekundäre
Bei einer primären Arthrose ist eine ursächliche Erkrankung bekannt. Sie ist häufig auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Demgegenüber entsteht die sekundäre Arthrose als Folge einer Überbelastung oder einer anderen Erkrankung. Als Risiken gelten unter anderem vorangegangene Verletzungen der Gelenke, Gelenkfehlstellungen, schwere körperliche Arbeit und Übergewicht.
Belastungsschmerz
Belastungsschmerz ist ebenfalls ein Leitsymptom für Arthrose. Er entsteht bei andauernder oder starker Belastung, etwa beim Heben von Gewichten oder intensiver sportlicher Betätigung.
Cortison (auch: Kortison)

Cortison ist ein Steroidhormon, das in der Nebenniere produziert wird und viele wichtige Funktionen im menschlichen Körper erfüllt. Es besitzt unter anderem eine stark entzündungshemmende Wirkung.

In der Behandlung der rheumatoiden Arthritis wird es vor allem zur schnellen Schmerz- und Entzündungsminderung eingesetzt. Cortison kann als Tablette eingenommen oder direkt in das betroffene Gewebe gespritzt werden. Trotz sehr guter Wirksamkeit sollte die Einnahme von Cortisonpräparaten immer unter ärztlicher Überwachung erfolgen, da vor allem hohe Dosierungen über einen langen Zeitraum zu teils schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen führen können.

COX-2-Hemmer (Coxibe)

Die Wirkung von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) beruht auf der Hemmung eines Enzyms, das an der Entstehung von Schmerzen und Fieber beteiligt ist – der Cyclooxygenase (COX). Von diesem Enzym existieren zwei Formen: COX-1 und COX-2. Entsprechende Arzneimittel können sich unterscheiden, auch wenn Sie das Wirkprinzip der COX-Hemmung teilen.

  • unselektive COX-Hemmer (z.B. Ibuprofen, Diclofenac, Acetylsalicylsäure)
  • COX-2-Hemmer (z.B. Celecoxib, Etoricoxib)

Sowohl unselektive COX-Hemmer als auch selektive COX2-Hemmer wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend. Sie stellen zur Behandlung der rheumatischen Arthritis, aber auch anderer Gelenkbeschwerden, eine wichtige Therapieoption dar.

Degenerativ
Als degenerative Erkrankungen werden in der Medizin Erkrankungen bezeichnet, bei denen Körpergewebe und Organe in ihrer Struktur oder Funktion geschädigt werden. Unbehandelt führen degenerative Erkrankungen letztlich zum Funktionsausfall dieser Körperstrukturen. Häufig betroffen sind Nerven- und Knochengewebe, zum Beispiel in Folge der Alzheimer-Krankheit oder bei Arthrosen und Arthritis.
Endoprothese
Eine Endoprothese ist ein Implantat, dass ein nicht mehr funktionsfähiges oder zerstörtes Gelenk oder einen Gelenkteil dauerhaft ersetzt. Man unterscheidet in Teil-Endoprothesen (Hemi-Endoprothesen, HEP), die nur einen der beteiligten Gelenkpartner ersetzen, und in Total-Endoprothesen (TEP), die einen vollständigen Gelenkersatz darstellen.
Entzündungshemmer (Antiphlogistika)
Als Entzündungshemmer werden in der Pharmakologie Substanzen bezeichnet, die über unterschiedliche Wirkprinzipien Entzündungsreaktionen abschwächen und Entzündungssymptome lindern. Häufig eingesetzte Mittel dieser Art sind zum Beispiel entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac und Cortison.
Hyaluronsäure
Hyaluronsäure ist ein Stoff mit hoher Wasserbindefähigkeit, der in Flüssigkeiten die Viskosität erhöht. Hyaluronsäure ist im menschlichen Körper vor allem für die Funktionalität von Haut, Knorpelgewebe, Bandscheiben und Synovialflüssigkeit von Bedeutung. Therapeutisch wird die Hyaluronsäure seit langer Zeit zur Behandlung der frühen Stadien der Arthrose eingesetzt. Im Gelenk dient die Hyaluronsäure als Schmiermittel, das die Gleitfähigkeit der Gelenkflächen unterstützt. Durch Einspritzen in das geschädigte Gelenk können Abrieb und Entzündungen im Gelenk verringert werden.
Muskelaufbau
Regelmäßige sportliche Bewegung führt zu Muskelaufbau, Stärkung der Muskulatur und damit zu einer geringeren Belastung der Gelenke. Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Rad fahren und Wandern wirken sich deshalb positiv auf die Gelenkgesundheit aus und haben einen großen Stellenwert in der Prävention degenerativer Gelenkerkrankungen.
NSAR, Nichtsteroidale Antirheumatika
NSAR sind entzündungshemmende Schmerzmittel, die vor allem in der Behandlung der rheumatischen Arthritis große Bedeutung haben. Die Bezeichnung „nichtsteroidal” haben sie bekommen, weil sie sich biochemisch von Steroiden wie Cortison unterscheiden. Cortison spielt in der entzündungshemmenden Therapie ebenfalls eine wichtige Rolle. Zu den NSAR zählen zum Beispiel Ibuprofen und Diclofenac.
Orthese
Eine Orthese ist ein stützendes Schienungssystem, das aus einem Orthesenkörper und unterschiedlichen weiteren Komponenten – zum Beispiel Klettverschlüssen, Polsterungen und Zugeinrichtungen – besteht. Mit Hilfe von Orthesen lassen sich Gelenkbewegungen begrenzen, Belastungen an Gelenken reduzieren und Fehlstellungen korrigieren. Ihr therapeutischer Einsatz dient somit auch der Vorbeugung von übermäßiger Gelenkabnutzung.
Punktion
Bei einer Punktion handelt es sich um das Einstechen einer Nadel in Körpergewebe. Im engeren Sinn versteht man darunter aber das Punktieren eines Hohlraumes, um krankhafte Flüssigkeitsansammlungen zu entfernen, Substanzen zu injizieren oder Material zu Diagnosezwecken zu gewinnen, zum Beispiel aus der Gelenkkapsel.
Ruheschmerz
Ruheschmerz gilt als Symptom einer fortgeschrittenen Arthrose, bei der das Gelenk schon starke Schädigungen aufweist.
Sklerose
Unter einer Sklerose versteht man eine Verhärtung von Geweben oder Organen, der meist entzündliche oder degenerative Prozesse zugrunde liegen.
Verschmälerung des Gelenkspaltes
Die Gelenkspaltverschmälerung ist ein Begriff aus der Radiologie und dient als Erkennungszeichen einer Arthrose. Auf Röntgenbildern erscheint der Gelenkspalt normalerweise größer als in der Realität, weil die Knorpelflächen der Gelenkpartner nicht sichtbar sind. Ist Knorpelgewebe abgenutzt, rücken die beteiligten Gelenkpartner näher zusammen – diese Verschmälerung wird am Röntgenbild sichtbar.